Fans im Stadion

Im Fußballstadion mit der Erkenntnis „WarmUps können durchaus ihre Magie entfalten“

Geteilte Erfahrungen aus dem täglichen Leben für den nächsten Workshop – Teil 1 von 3

Vielleicht kennt das der eine oder die andere Facilitatorin: im Alltäglichen erlebt ihr Situationen und die Parallelen sind schnell zum nächsten Workshop gezogen. So auch neulich…

Im Fußballstadion mit der Erkenntnis „WarmUps können durchaus ihre Magie entfalten“

Es war der 30.04.2022. Bei herrlichstem Wetter durfte ich ein Fußballspiel mit mehr als 20.000 anderen Menschen beobachten. Ich will ehrlich sein, dass Fußballspiel war mir dabei nicht sonderlich wichtig. Beeindruckend war jedoch die berauschte Stimmung. Unsere Plätze befanden sich im Block an der Längsseite im Stadion, im gesittete Familienareal. Linker Hand von unseren Plätzen beobachteten wir die eingefleischten Fans im K-Block. Ich bekam Gänsehaut dabei, wie die Emotionen von einem Block auf den nächsten übersprungen. Der Boden vibrierte unter uns, als im K-Block gehüpft wurde. Und mein 8-jähriger sang die Parolen lauthals mit. So war ich, obwohl ich alles andere als ein Fan von Fußball bin, mittendrin statt nur dabei, auch emotional.

Wie lässt sich das erklären? Die unsichtbaren Emotionen können sich wie ein Virus verbreiten. Es ist ein primitiver und unbewusster Prozess. Im eins-zu-eins begeben sich die Menschen durch verschiedene Mechanismen auf einen emotionalen Tanz, um sich durch die Mimik des Gesichtsausdrucks in Einklang zu bringen. Alles beginnt mit einem Lächeln, einem Ausdruck von Hass oder ein paar Tränen. Es genügt, jemanden zu sehen, der eine Emotion ausdrückt, so dass der gleiche Zustand in uns hervorgerufen wird.

In unserem Gehirn gibt es eine Gruppe von Neuronen, die laut Daniel Goleman als eine Art „neuronales WLAN“ fungieren. Dies sind die Spiegelneuronen. Wenn die Spiegelneuronen aktiviert werden, setzen sie die gleichen Schaltkreise in Gang, wie jene der beobachteten Person. Damit fühlen wir die Emotion der anderen. Die Emotionen stecken sich an.

Zurück zum Stadion. Mit Trommel und Megafon bewaffnet feuern zwei Menschen die Stimmung noch zusätzlich an. Die Fans stimmen mit ein. Und wie ein Lauffeuer oder besser, eine La-Ola-Welle, trägt sich die Stimmung von einem Block zum nächsten.

Hier sehe ich die Parallelen zum Workshop. Im Design Thinking – Prozess sind WarmUps essenzieller Bestandteil. Je nachdem was gerade gebraucht wird, kann ein WarmUp die Stimmung einzelner und durch dessen Übertragung der Gefühlslage auf die ganze Gruppe übertragen werden. Pauline Tonhauser, vom HPI ausgebildete Trainerin und Design Thinking Coach sagt dazu folgendes:

„Als Design Thinkerin sind Warm-ups nicht wegzudenken aus meiner Welt. Es sind die kleinen Helfer, die ich stets aus dem Ärmel schütteln kann, wenn ich sie brauche. Ein Warm-up ist der perfekte Einstieg in einen gemeinsamen Workshop-Tag – egal, ob die Teilnehmer sich bereits kennen oder sich völlig fremd sind. Ein gutes Warm-up ist in der Lage, eingefahrene Denkweisen zu sprengen – egal, ob in der Recherche-Phase oder bei der Ideenfindung.“

Und nicht nur im Design Sprint bringen Energie-Warm-ups wieder frischen Wind ins Team. Hier sind meine Best-of-three:

  1. Touch Something Blue – geht auch virtuell
    Die Teilnehmer sollen auf Kommando Dinge berühren, die vorgegebene Anforderungen erfüllen, z. B. „Berühre etwas Blaues”, „Berühre etwas aus Holz”, „Berühre deine Zehen”. Die Komplexität kann schrittweise erhöht werden, z. B. „Berühre etwas, das dich zum Lachen bringt” oder „Berühre etwas, das dich inspiriert”.

    Im Virtuellen Setting kann dieses WarmUp sehr gut adaptiert werden. Hier fängt eine Person an, „etwas Blaues“, „etwas rundes“ oder „etwas flüssiges“ in die Kamera zu halten. Die anderen Teilnehmenden haben die Aufgabe, in ihrem Umkreis den Eigenschaften entsprechendes zu suchen und ebenfalls zu zeigen. Dann ist die nächste Person dran.

  2. Races – mit Bewegung für frische Energie
    Races ist ein Warm-up, das wieder neue Energie bringt. Gerade im Sommer auf einer Wiese macht es eine ganze Menge Spaß. Die sportliche Betätigung bereitet optimal auf eine Aufgabe vor, die hohe Konzentration erfordert.

    1. Die Teilnehmer kommen in 4er oder 5er Teams zusammen.
    2. Der Coach kennzeichnet eine Wegstrecke von zehn bis 15 Metern mit einer Start- und einer Ziellinie.
    3. Der Coach erklärt, dass dieser Weg nun im Team zurückgelegt werden muss und dass das schnellste Team gewinnt. Bedingung: Es dürfen nur vier Füße und es müssen sechs Hände den Fußboden berühren.
    4. Zur Vorbereitung wird den Teams zwei Minuten Zeit zum Üben gegeben.
    5. Danach geht das Rennen los!
  3. Crazy Groupie – insbesondere für große Gruppen
    „Schere, Stein, Papier“ war noch nie so laut: Der Sieger wird zum Star und der Verlierer zu seinem Fan. Auf diese Weise entstehen schneeballartig immer größere Fangruppen für immer weniger Spieler. Bis sich am Schluss nur noch zwei Spieler für den „finalen Kampf“ gegenüberstehen – umgeben von johlenden Fans.

WarmUps sind wahre Wunderraketen. Sie können die Stimmung in einem Workshop radikal verändern. Ein gutes WarmUp ist wie ein guter Anheizer im Stadion. Und doch muss es passen und darf die Menschen nicht überfordern.

Was sind deine Erfahrungen mit Stimmungen, übertragenen Emotionen und Methoden zur Beeinflussung im Workshopsetting?


Quellen:

nn: Emotionale Ansteckung: Wie übertragen wir unsere Emotionen auf andere. Blogartikel abgerufen am 24.05.2022 in psychologyinstructor.com

Pauline Tonhauser: 66+1 WarmUps, Berlin 2018.