Die einzige Konstante ist die Veränderung

Die einzige Konstante ist die Veränderung

Veränderung. Nichts bleibt. Altes geht. Neues kommt. Die Veränderung ist stetige Begleiterin. Jahreszeiten wechseln. Wir werden älter, werden berufstätig, werden erwachsen, oder auch nicht. Wir werden vielleicht Eltern, ziehen um, wechseln den Arbeitsplatz, wechseln die Freunde. Und jedes Jahr aufs Neue feiern wir den Jahreswechsel. Mit uns selbst wandeln sich Organisationen und Gesellschaften. Und zudem gibt es noch den Klimawandel, den Kulturwandel und vielleicht ein „neues Normal“ im Jahr 2021. Es ist ein stetiger Zyklus von einem Status Quo zum nächsten.

Veränderungen können Angst machen und Unsicherheiten heraufbeschwören. Was kommt? Was bleibt? Wie können wir bestenfalls mit Veränderungen umgehen? Und können wir die Veränderung für uns, unsere Projekte und Organisationen nutzen?

Eine Veränderung vollzieht sich in manchmal mehr manchmal weniger ausgeprägten emotionalen Phasen. Es ist eine Berg- und Talfahrt, eine Achterbahn der Gefühle. Mit einem Verständnis dieser Phasen können wir uns die Veränderung bewusst machen und vielleicht auch steuern.

In Anlehnung an Richard K. Streichs Phasenmodell der Veränderung durchlaufen wir folgende Stationen:

  1. Phase: Schock
    Auf eine plötzlich eintretende Veränderung reagieren wir erst einmal irritiert. Gerade bei wesentlichen Veränderungen ist das ein »Schock« oder zumindest eine große Überraschung. Wenn Bequemlichkeit eingetreten ist, wir es uns in der Komfortzone gemütlich gemacht haben, wenn wir erwarten das alles so bleibt wie es ist, übersehen wir gern die Zeichen des Wandels. Dann ist der Schock besonders groß.Durch eine stetige Wachsamkeit und regelmäßige Reflektion wie bspw. in Form von Retrospektiven im Team können wir die Vorboten des Wandels bereits frühzeitig wahrnehmen. Dann ist die Überraschung für die Veränderung nicht ganz so groß.
  2. Phase Ignoranz & Widerstand
    In dieser Phase dominiert die ablehnende Haltung. Auch notwendige Veränderungen verursachen anfangs Widerstand, weil sie uns verunsichern, sie machen Angst. Unser altes Stammhirn schreit – viel zu unsicher, viel zu gefährlich. „never change a running system“Der Widerstand ist wie der Siamesische Zwilling der Veränderung. Beide sind unzertrennlich miteinander verbunden. Es geht dabei nicht darum, dem Widerstand unreflektiert Glauben zu schenken. Es geht in dieser Phase darum, den Widerstand mit ihrer Angst anzunehmen und an bzw. mit ihnen zu wachsen. Gern missverstehen wir Widerstände als ein Zeichen gegen die Veränderung, die Idee, das Ziel oder das Vorhaben.  Dabei dienen Widerstände dazu,

    • Die hinter der Veränderung liegenden Annahmen und Überzeugungen zu hinterfragen
    • Neue Wege zu entdecken und eine bessere Lösung zu entwickeln
    • Und die eigenen Werte in die Antwort auf die Veränderung zu integrieren
  3. Phase Einsicht und Akzeptanz
    Nach der ersten Reflexion folgt die Einsicht, Grundlage für alle kommenden Schritte im Rahmen der Veränderung. Wir beginnen zu verstehen: Die Situation kann nicht so bleiben, wie sie ist ‒ es wird Zeit, sich ihr zu stellen. Die Akzeptanz markiert den Wendepunkt im Prozess der Veränderung: Die Andersartigkeit der neuen Situation wird angenommen. Wir sehen die Notwendigkeit ein, dass alte Gewohnheiten oder Verhaltensweisen aufgegeben werden müssen, um mit dem neuen Szenario klarzukommen.
  4. Phase Ausprobieren
    Wir beginnen auszuprobieren und uns an die neue Situation heranzutasten, um sicherer zu werden. Irrtümer und Rückschläge sind dabei nicht ausgeschlossen, und so mancher fällt in Phase 2 zurück.Allein schon der Fakt, dass wir uns auf den Weg machen, hilft uns Veränderung zu akzeptieren. Und die im Widerstand gezeigte Angst kann durch Ausprobieren überwunden werden. Im agilen Kontext stehen Experimente an der Tagesordnung.
  5. Erkenntnis & Integration
    In der Phase der Erkenntnis lernen und verstehen wir die bisherigen Schritte der Veränderung. Es wird klar, warum der Wandel notwendig ist und wie die Zukunft aussehen kann. Neue Verhaltensmuster werden langfristig integriert. Das Gefühl einer erweiterten Kompetenz bzw. einer Bereicherung entsteht und wächst weiter. Dadurch wird die Veränderung auch in unserer Wahrnehmung nochmals gefestigt.

Was wäre, wenn wir diese Phasen zur regelmäßigen Übung machen? Wenn wir regelmäßig zurückschauen, um nach vorn zu gehen? Wenn wir Retrospektiven auf Augenhöhe moderieren, Zeichen des Wandels frühzeitig wahrnehmen, Ängste reflektieren, Experimente ausloben? Genau das ist der agile Weg. So können Veränderungen proaktiv gestaltet werden.

Jede Veränderung ist eine Chance. 2021 ist dafür ein guter Anfang.


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