Resilienz & New Work

Resilienz & New Work

Resilienz, seit den krisenhaften Herausforderungen der letzten Jahre begleitet mich dieses Wort stetig. Resilienz könnte die Antwort auf die Probleme sein, Probleme deren Ende noch nicht abzusehen sind. Aber wie kann man die Resilienz stärken? Und wie steht dieses Konstruk in Beziehung zu New Work? Was steckt hinter dem Wort „Resilienz“? Dazu sprach ich mit der Psychologin und Glücksforscherin Dr. Ilona Bürgel.


Liebe Ilona, vielen lieben Dank, dass du dir die Zeit genommen hast.

Was bedeutet Resilienz im psychologischen Sinne? Welche Bedeutung hat es und wofür ist es gut?

Resilienz bedeutet Anpassungsfähigkeit, Widerstandsfähigkeit. Man könnte es auch mit einem Steh-auf-Menschen vergleichen. Resilienz ist die Fähigkeit mit schwierigen Situationen gut umgehen zu können, sie zu meistern.

Eine gute Beschreibung für resiliente Menschen mündet daran, dass sie die Dinge nehmen, wie sie sind. Auch die negativen. Sie versuchen das Beste daraus zu machen. Sie handeln eigenverantwortlich, statt abzuwarten.

Die Wahrnehmung der Eigenverantwortung passt sehr gut zu New Work: Eigenverantwortung ist die Grundvoraussetzung für selbstorganisierte Zusammenarbeit, so das Glossar der Neuen Narrative. Es beinhaltet vor allem auch die Verantwortung für sich selbst, der eigenen Gefühle und Gedanken zu übernehmen. Das Thema Gefühle ist auch ein Thema für Resilienz, richtig?

Gute Gefühle bestärken die Resilienz. Die spannende Frage hierzu ist „Wie kann ich selbst für gute Gefühle sorgen?“ Damit beschäftige ich mich seit vielen Jahrzehnten. Wie kann der Mensch eine Einstellung entwickeln im Sinne von „ich bin dafür zuständig, damit es mir gut geht“. Jede:r von uns hat Themen, die gelöst werden wollen, hat Sorgen, Probleme. Und doch gibt es immer Dinge, auf die wir uns konzentrieren können, um gute Gefühle zu entwickeln. Das kann das schöne Zuhause sein, das kann unsere Katze sein, das kann unsere Lieblingskundin oder Kollegin sein, oder die attraktive Kleidung, die ich ja anziehen kann oder das leckere Essen, das ich selbst beeinflussen kann.

Je besser man sich fühlt, desto stärker ist die Resilienz. Es ist leichter, widerstandsfähig zu sein, wenn man sich gut fühlt.

Das möchte ich noch einmal aufgreifen: Jede:r von uns, sowohl individuell als auch im Kollektiv / als Organisation, begegnet Herausforderungen. Und wir können selbst unsere Reaktionen darauf beeinflussen, wie wir damit umgehen? Welche Beziehung besteht denn zwischen der Resilienz des einzelnen und den Problemen, die wir tagtäglich wie auch global meistern?

Mit jeder Krise werden wir resilienter. Das heißt, wenn wir immer mal wieder gebeutelt werden, egal ob privat, beruflich, gesellschaftlich, dann befähigt uns das darin, das nächste Mal besser mit einer unangenehmen Situation oder Krise umzugehen.

Das Wissen darum, was man schon bewältigt hat, gibt uns Sicherheit, auch zukünftige Herausforderungen zu meistern, sei es der Führerschein, die Matheprüfung, Sachen wo ich gedacht habe, das schaffe ich nie. Aber auch durchlebte Trennungen oder Verlust von geliebten Wesen machen uns stärker. Und ich kann mich in einer schwierigen Zeit ganz bewusst daran zurückerinnern. Dann wird einem klar, wie stark man ist und was man alles schon hinbekommen hat.

Viele bringen New Work mit agilen Vorgehensweisen zusammen, mit dem Formulieren von Experimenten, etwas ausprobieren, iterieren. Ich finde dies eine gute Herangehensweise, um Krisen zu bewältigen. Durch das ins Tun kommen stärke ich meine Handlungsfähigkeit in dem Moment. Aber da ich die Handlung als einen Versuch der Lösung betitle, nimmt es die Schwere der Absolutheit.

Wie kann ich denn meine ganz persönliche Resilienz neben der Einstellung noch stärken?

Da ist zum einen die Erholungsfähigkeit. Diese kann ich selbst aktiv beeinflussen und verbessern. Das allerwichtigste für Erholung ist das Abschalten, abschalten der Technik, aber auch abschalten seiner eigenen Gedanken. Dafür hilft es aktiv etwas anderes zu tun, einfach mal aus dem Fenster schauen, die Wolken am Himmel beobachten oder im Garten buddeln, mal ganz bewusst eine ganz andere Art von Tätigkeit unternehmen. Das bringt uns auf andere Gedanken, raus aus dem Sorgenkarussel. Es heißt, 10 Minuten reichen dabei schon, um sich zu erholen.

In einer stark leistungsorientierten Wirtschaft wird der Mensch eher als Ressource, als Maschine gesehen. Da wird dem Thema „Erholungsfähigkeit“ wenig Raum gegeben. Die New Work Bewegung lässt da mehr Freiraum, allerdings immer mit der Maßgabe, dass die Menschen selbst gut auf sich Acht geben. Da ist niemand, der oder die eine Pause anordnet. Womit wir wieder bei der Eigenverantwortung sind.

Was fördert noch die persönliche Resilienzfähigkeit aus deiner Sicht?

Dankbarkeit fördert Resilienz. Es ist eine Kunst, in schwierigen Zeiten besonders dankbar zu sein, zum Beispiel für das Kleine. Das gleichzeitig Gute, Gelingende, Förderliche, Angenehmen, Schöne ist immer da, ich muss es nur sehen.

Auch mit Verbundenheit können wir die Resilienz stärken. Uns Menschen tut es extrem gut, wenn wir uns verbunden fühlen. Das haben wir in den letzten Jahren gemerkt, wo dieses Zusammensein mit anderen Menschen eingeschränkt war. Durch ein gutes Gespräch oder auch Augenkontakt wird Oxitocin ausgeschüttet. Das ist ein Botenstoff, der dafür sorgt, dass wir uns entspannen und beruhigen. Das ist natürlich ganz wichtig, um resilient zu sein.

Oxitocin wird auch ausgeschüttet, und das wäre der nächste Tippe, wenn wir lächeln. Lächle so viel wie möglich. Nicht weil es jemand gesagt hat, sondern weil du immer einen Grund hast zum Lächeln. Absolut immer. Egal in welcher Katastrophe man gerade steckt. Es gibt immer einen Grund zu lächeln. Dass der Nachbar freundlich ist und seine Hilfe anbietet, dass man selbst gesund ist, dass wir Freunde haben, … Es gibt einfach immer einen Grund zu lächeln. Sei es nur dass ich selbst da bin und dass ich mich selbst habe. Das vergessen wir gern, weil wir uns so sehr über das Außen definieren. Lächeln baut Stress ab, in jeder Körperzelle. Das wiederrum führt dazu, dass der Körper widerstandsfähiger ist.

Wenn wir uns mit anderen Menschen verbinden, was macht das dann mit der Resilienz? Und wie kann ich persönlich im kollektiv zu mehr Resilienz zum Beispiel in meiner Organisation beitragen?

Es ist aus der Forschung von Teams und Partnerschaften bekannt, dass wir uns gegenseitig mit Gefühlen anstecken. Nicht nur Gefühle, auch Informationen, die wir bekommen wie auch weitergeben, beeinflussen uns. Das kommt aus der Burnout-Forschung. Wenn das Thema Burnout in unserem kollektiven Umfeld präsent ist, glauben wir eher selbst davon betroffen zu sein. Wir Menschen lassen uns von unserer Umwelt gern irritieren.

In Teams und in Partnerschaften ist es tatsächlich so, dass ein Mensch die anderen anstecken kann, sowohl mit negativen und erfreulicherweise auch mit positiven Dingen. Daher ist es so wichtig ist, dass wir selbst gut für uns sorgen. Damit wir möglichst vielen Menschen mit unseren guten Gefühlen beeinflussen können.

Und ich habe für mich ein Motto in den letzten zwei Jahren entwickelt „ich gut, alles gut“. Und ich glaube, das fasst sehr schön zusammen, worum es geht. Wenn ich gut mit mir umgehe, kann ich gut mit allen Situationen und auch anderen Menschen umgehen. Wenn es mir gut geht, dann kann ich auch für andere da sein. Dann habe von allem genug, von Freude, von Energie, von Kraft, die ich dann auch weitergeben kann. Und darin zu investieren, das ist das allerbeste Investment in die Resilienz. Denn von uns aus, geht alles aus. Und wenn wir uns stärken, dann haben alle anderen auch etwas davon.

Herzlichen Dank, Ilona.

10 Mindset Shifts aus dem Design Thinking

In den letzten drei Jahren hat mich die Herangehensweise im Design Thinking tief geprägt. Mein Blick und meine Einstellungen haben sich verändert. Design Thinking ist nicht nur ein vollgepackter Methodenkoffer entlang von sechs Stufen (Verstehen – Beobachten – Standpunkt definieren -Ideenfinden – Prototyp entwerfen – testen), im Design Thinking steckt auch eine Haltung dahinter. Eine Haltung, die es möglich macht aus komplexen vielschichtigen Problemen zielgerichtet sehr gute Lösungen zu entwerfen. Hier sind meine persönlichen Top Ten.
Zum Beitrag

DesignThinking – Künstlerische Entfaltung oder strikter Prozess?

Was sind die ersten Assoziationen beim Wort Design in Bezug auf DesignThinking? Im deutschsprachigen Raum verbinden wir „Design“ mit der reinen Äußerlichkeit von Objekten. Wir denken an rot oder eckig, an die Farb- und Formgestaltung. Manchmal denken wir an die gestalterische, kreative, schöpferische Aktivität, an Malen und Zeichnen. Ist DesignThinking ein künstlerischer Schaffensprozess?
Zum Beitrag

Ein Plädoyer für das Spiel

Kinder spielen bis zu 15.000 Stunden bzw. bis zu 7 Stunden am Tag in den ersten sechs Lebensjahren. Sie entdecken damit ihre Welt, lernen motorische Fähigkeiten und soziale Kompetenz. Ab der Pubertät lässt der Spieltrieb, die Lust und Freude am Spielen, nach. Wenn wir allerdings das Theaterspiel oder das Gedankenspiel betrachten, dann spielen durchaus auch Menschen im reiferen Alter. Was steckt hinter dem Phänomen Spiel?
Zum Beitrag