Perspektivwechsel

Perspektivwechsel – über die Möglichkeit und Chance, die Welt mit anderen Augen zu sehen

Perspektive, Sichtweise, Blickwinkel – wir sehen die Welt von einem bestimmten Standpunkt aus. Was würde passieren, wenn wir diesen Standpunkt verlassen, den Blick in eine andere Richtung lenken und uns in die Sichtweise einer anderen Person hineinversetzen? Darum soll es in diesem Artikel gehen.

Die Perspektive, die wir einnehmen, hat nicht nur mit dem Ort des Betrachtens zu tun, sondern ist vor allem abhängig von unserer Wahrnehmung. Die Psychologen sagen, Wahrnehmung sei eine Art Prozess und resultiert in einem Ergebnis der Informationsgewinnung und -verarbeitung von Reizen aus unserer Umwelt. Und um uns nicht zu überfordern, filtern und fassen wir Teilinformationen zu einem subjektiven und vor allem für uns sinnvollen Gesamteindruck zusammen. Dabei kann unsere Wahrnehmung und damit auch unsere eingenommene Perspektive uns ganz schön hinters Licht führen. Dies legt der Nobelpreisträger Daniel Kahnemann in seinem Buch „Schnelles Denken und langsames Denken“ sehr anschaulich dar, indem er das Konstrukt der Urteilsheuristiken und kognitiven Verzerrungen erläutert. Die Stoßrichtung des Konstruktivismus geht noch einen Schritt weiter und meint, der Mensch konstruiert seine eigene Welt, seine Wahrnehmung ist gekoppelt an Empfindungen und früheren Erfahrungen. Und allzu oft gehen wir von der absoluten Wahrheit unserer eigenen Sichtweise aus.

Die Konstruktion der eigenen Wahrnehmung zu durchbrechen, das nenne ich Perspektivwechsel. Sich in andere Menschen hinein zu fühlen, deren Sichtweise zu hinterfragen und zu verstehen, das Glas halb voll oder halb leer zu sehen und die Situation von mehreren Seiten zu betrachten, kann uns helfen, unseren Blickwinkel zu vergrößern. Mit dem Wechsel der Perspektive und der Vergrößerung unseres Sichtfeldes erweitert sich der Lösungsraum, eine neue Sichtweise unterstützt beim kreativen Schaffensprozess.

„Probleme kann man niemals mit derselben Denkweise lösen, durch die sie entstanden sind.“ (Albert Einstein)

Und wie kann ich die Perspektive wechseln? Einige Vorschläge:

  1. Räumliche Veränderung: Eine Perspektive im geometrischen Sinn ist an der räumlichen Ausrichtung der Objekte gebunden. Im übertragenen Sinne kann ich viele Situationen, Konflikte, Systeme aus der Froschperspektive betrachten. Ich zoome hinein in einen Teilaspekt, nehme den Mikrokosmos eines kleinen Objektes wahr. Im Gegensatz dazu zoome ich in der Vogelperspektive hinaus, ich betrachte einen größeren Ausschnitt des Gesamtsystems, ich beobachte Beziehungen und Ursache-Wirkungs-Zusammenhänge und stelle fest, das in einem Gesamtsystem alles miteinander verbunden ist.
  2. Zeitliche Veränderung: Wie sieht die Situation in der Vergangenheit aus? Oder wie wird sie sich in die Zukunft gestalten
  3. Reframing: Eine sehr bekannte Methode aus der systemischen Psychotherapie ist das Reframing. Die Tatsache bzw. das Objekt bleibt gleich, die Betrachtung / der Rahmen ändert sich. Ich kann das Glas halb leer oder halb voll sehen. Beides stimmt, aber unsere Sichtweise wird umgedeutet und die darauffolgenden Denkschritte gehen einen anderen Weg.
  4. Das Einnehmen der Sichtweise einer anderen Personen: Im DesignThinking steht der/die Nutzer*In im Mittelpunkt. Das Hineinfühlen in diese Personen, deren Sichtweise urteilsfrei aufzunehmen, ist ein zentraler Bestandteil des DesignThinking-Prozesses. Und zugleich ist es eine weitere Variante, die Perspektive zu wechseln. Dies kann ich nicht nur beim Lösen komplexer Probleme anwenden, sondern alltäglich. Mit der dabei entstehenden Empathie schaffe ich gegenseitiges Verständnis.
  5. Betrachtung eines komplexen Problems durch mehrere Personen: Ich selbst kann ganz bewusst die Perspektive ändern oder ich nehme mir für das Lösen von komplexen Problemen noch andere Menschen hinzu. Jeder Mensch hat seine eigene Sichtweise, seine eigene Wahrnehmung geprägt und gefiltert durch Empfindungen und Erfahrungen. Dadurch betrachten wir ein Problem von unterschiedlichen Seiten. Ein interdisziplinäres Team erweitert dabei besonders den Winkel hin zu einer 360° Sichtweise. Auch das ist ein zentraler Aspekt im DesignThinking.

Wenn wir ab und an von unserer Perspektive abrücken, unsere Sichtweise nicht als absolute Wahrheit sehen, Ansichten anderer Menschen annehmen, erweitern wir den Blick auf kreative Lösungen für die komplexen Probleme unserer Zeit. Und damit transformieren sich die komplexen Probleme hin zu einer Chance für notwendige Veränderungen.

 

 


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