DesignThinking – Künstlerische Entfaltung oder strikter Prozess?

DesignThinking – Künstlerische Entfaltung oder strikter Prozess?

Was sind die ersten Assoziationen beim Wort Design in Bezug auf DesignThinking? Im deutschsprachigen Raum verbinden wir „Design“ mit der reinen Äußerlichkeit von Objekten. Wir denken an rot oder eckig, an die Farb- und Formgestaltung. Manchmal denken wir an die gestalterische, kreative, schöpferische Aktivität, an Malen und Zeichnen. Ist DesignThinking ein künstlerischer Schaffensprozess? Das Wort Design im DesignThinking hat ihre Wurzeln im angelsächsischen Sprachraum. „Design“ steht hier nicht nur für die Gestaltung, sondern auch für den Entwurf und die Entwicklung von Objekten und Systemen. Es umfasst die sowohl konzeptionelle als auch die technische Gestaltung. To design bedeutet „etwas konzipieren“. Genau darum geht es im DesignThinking. Es werden Lösungen für komplexe Probleme entwickelt, (fast) ganz unabhängig von deren ästhetischem erscheinen.

DesignThinking ist ein Methodenset für Innovationsentwicklung. Es ist ein iterativer Prozess mit nutzen- und kundschaftsorientierten Ergebnissen.

Und wie ist nun dessen Beziehung zum künstlerischen Vorgehen? Was bedeutet eigentlich Kunst? Das Kunstwerk ist ein menschliches Kulturprodukt, das Ergebnis eines kreativen Prozesses. Kunst ist jede entwickelte Tätigkeit, die auf Wissen, Übung, Wahrnehmung, Vorstellung und Intuition gegründet ist, so der Brockhaus. Und auch hier liegt ein Prozess zugrunde, die Malerin nimmt den Bleistift und das Papier in die Hand, entwickelt vorab eine Skizze, verwirft sie vielleicht wieder und macht sie neu, geht an die Leinwand, skizziert vor, trägt Farbe auf.

Auch DesignThinking folgt einem Prozess, der in folgende Phasen aufgeteilt ist:

  1. Understand: in einem ersten Schritt entwirft das Team die Fragestellung, formuliert und eruiert Problemfelder und entwickelt ein eigenes Verständnis des Problemraums.
  2. Observe: in einem zweiten Schritt erforscht das Team wertfrei und möglichst vorbehaltlos die Perspektive der Nutzer und Nutzerinnen und gewinnt weitere Erkenntnisse zum formulierten Problem.
  3. Point-of-View: in einem dritten Schritt verdichtet das Team die Erkenntnisse und Ergebnisse hin zu einem Fokuspunkt der Problemstellung.
  4. Ideation: in einem vierten Schritt werden möglichst viele Ideen auf Basis des letzten gesetzten Fokuspunktes generiert.
  5. Prototyp: in einem fünften Schritt greift das Team eine Idee heraus und konkretisiert diese in einem Prototyp.
  6. Test: Dieser wird in einem sechsten Schritt bei den Nutzern und Nutzerinnen getestet.

Jede dieser Phasen beinhaltet unzählige Methoden, die je nach Projekt und Thema Anwendung finden und durchaus auch passend abgewandelt werden. Die einzelnen Schritte müssen nicht stringent verfolgt werden, je nach Bedarf des Prozesses springt das Team zu dem für den nächsten Erkenntnisschritt am besten geeigneten Phase mit der am besten geeigneten Methode. Die ersten beiden Schritte können auch zusammen als „Empathise“-Phase bezeichnet werden.

Empathie, sowohl für die Nutzer und Nutzerinnen als auch für die teaminterne Kommunikation ist ein wesentliches Merkmal des DesignThinking Prozesses. Weitere Merkmale sind unter anderem:

  • Ein positiver Umgang mit Scheitern – jeder Fehler ist eine Chance zum Lernen in schnellen und kurzen iterativen Zyklen
  • Aufbauendes Feedback innerhalb des Teams – es heißt „ja und…“ statt „ja aber…“. Letzteres wirkt wie eine Bremse im Fluss des Prozesses
  • Interdisziplinarität – DesignThinking lebt von verschiedenen Sichtweisen und Interpretationen.
  • Flexibel und experimentell – es wird ausprobiert, verworfen, neugestaltet, … und so flexibel wie die Vorgehensweise ist, so flexibel ist das Denken der Teammitglieder und damit auch die Möglichkeit der flexiblen und schnellen räumlichen Veränderung
  • Anfassbare Ergebnisse – die Ergebnisse werden durch Prototypen sichtbar und greifbar

DesignThinking ist ein Prozess der gestaltenden Tätigkeit, ein Schaffen von Neuem. Das Unbegreifbare wird greifbar.

„Die Kunst ist eine Vermittlerin des Unaussprechlichen“ (Johann W. Goethe)

In Unternehmen wie SAB, Deutsche Bank, UBS, Allianz, Volkswagen, Roche und so weiter ist DesignThinking gelebte Praxis. Die Unternehmen versprechen sich davon innovative Lösungen, sei es bahnbrechende Neuerungen oder inkrementelle Anpassungen von Produkten, Services, Prozessen oder Systemen. DesignThinking hilft durch seinen kundenorientierten und explorativen Ansatz, Fragestellungen zu präzisieren und ggf. vollständig zu korrigieren. Das Kunstwerk im DesignThinkings wird nie fertig sein, kann immer wieder neu gedacht und verändert werden. Wie steht es hier mit der Kunst? DesignThinking behandelt komplexe Problemfelder spielerisch. So ist DesignThinking eine Variante, einen neuen Umgang mit der Komplexität unserer Zeit zu schaffen.

„Als Kind ist jeder ein Künstler. Die Schwierigkeit liegt darin, als Erwachsener einer zu bleiben.“ (Pablo Picasso)

 

 


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